Arangos später Traum von der Copa Libertadores

Der ehemalige Borussen-Spielmacher setzt sich hohen Fußball-Alter noch einmal ein großes Ziel. Und trifft gleich zum Auftakt im neuen Trikot. Am Mittwoch ist sein neuer Klub FC Zulia in Montevideo gefragt.

Trotz der brütenden Hitze warten auf dem Trainingsgelände des FC Zulia die Kids auf ihren neuen Star. Juan Arango schreibt geduldig Autogramme, danach spricht er mit den lokalen Journalisten über die Ziele des Jahres. Und die sind im fast schon biblischen Fußball-Alter von 36 Jahren noch einmal ganz besonders. Im Trikot seines neuen Klubs strebt der Mittelfeldspieler, der von 2009 bis 2014 den Takt im Mittelfeld von Borussia Mönchengladbach angab, nach kontinentalen Titelehren. Es ist das erste Mal überhaupt, dass „Arangol“ in seiner langen Karriere in der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertadores, mit von der Partie ist.

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Gleich zum Auftakt traf Arango für seinen Klub. Gegen das vom schweren Flugzeugunglück vor ein paar Monaten gebeutelte brasilianische Team Chapecoense gab es im heimischen Stadion Jose Pachencho Romero in Maracaibo eine 1:2-Niederlage. Arangos Kopfballtreffer in der 79. Minute im Finalstadion der Copa America 2007 war zu wenig. Trotzdem ist der Ex-Mönchengladbacher zuversichtlich: „Wir wollen so weit wie möglich kommen“, verriet Arango in dieser Woche der Tageszeitung „El Universal“. Und damit meint er nicht nur die langen Reisen, die ihn wieder einmal quer über den ganzen Kontinent führen.

Am Mittwoch bei Nacional in Montevideo

Am Mittwoch steht die schwere und richtungsweisende Auswärtspartei bei Nacional in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo an. Gespielt wird in einer besonders historischen Spielstätte, dem Stadion Gran Parque Central, in dem 1930 das erste Spiel in der WM-Geschichte ausgetragen wurde: USA gegen Belgien (3:0). Und in dem sich am 5. März 1918 der damalige Kapitän von Nacional Montevideo Abdon Porte im Mittelkreis wegen persönlicher Probleme mit einer Pistole erschoss.

Nach 16 Spielzeiten in Mexiko, Spanien, Deutschland und den USA wird Juan Arango, über dessen Karriere erst jüngst ein Dokumentarfilm in den venezolanischen Kinos zu sehen war, für derartige historische Betrachtungen keine Zeit haben. „Die Mannschaft will nicht nur die Gruppe überstehen, sondern möglichst weit kommen“, sagt Arango. „Jeder will in Südamerika die Copa Libertadores spielen, das ist der größte Wettbewerb, den wir haben.“

Auf seine eigene Karriere blickt er zufrieden zurück. Ihm sei die Rolle des Türöffners für andere venezolanische Talente zugefallen. Es erfülle ihn mit Stolz, dass der Ex-Hamburger Tomas Rincon inzwischen für Juventus Turin spiele. „Das ist es was dem venezolanischen Fußball noch fehlt: Ein Spieler, der bei Bayern München, dem FC Barcelona oder Real Madrid spielt, wie es die Kolumbianer mit James Rodriguez oder die Chilenen mit Arturo Vidal haben.“

Über sein eigenes Karriereende will Arango noch nicht sprechen. Die Lichtgestalt des venezolanischen Fußballs hält mit 23 Treffern in 127 Länderspielen gleich zwei Rekorde. Stattdessen will er seinen jungen Teamkameraden helfen. Jefferson Savarino zum Beispiel, dem 20 Jahre alten Jungstar des FC Zulia. Auch deshalb soll die Reise in der Copa Libertadores noch einige Runden weitergehen. Einmal noch will Juan Arango auf der ganz großen Bühne mitmischen. Auch die nächste Station klingt nach großem Fußball: Am 18. April ist der FC Zulia beim FC Llanus in Buenos Aires zu Gast.

Tobias Käufer
Latin-Soccer.de

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