Uruguays Titeltraum schon beendet, Venezuela jubelt

Logo des venezolanischen Fußball-Verbandes FVF.

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Superstar Luis Suarez konnte es nicht fassen. Als ihn Uruguays Trainer Oscar Washington Tabarez auch kurz vor Schluss nicht einwechselte, obwohl die „Himmelblauen“ gegen den südamerikanischen Fußballzwerg Venezuela mit 0:1 zurücklagen, hämmerte Suarez wütend gegen die Plexiglasscheibe der Trainerbank. Uruguays Tageszeitung El Observador aus Montevideo spekulierte: „Wusste Suarez überhaupt, dass er nicht im Kader stand?“

Offenbar gab es innerhalb des Kaders des Rekord-Copa-Siegers Uruguay ein Kommunikationsproblem, denn der Stürmer des FC Bardelona war wegen einer Verletzung für die Partie gar nicht gemeldet. „Ich lasse keine Spieler spielen, die nicht 100 Prozent fit sind“, sagte Tabarez nach der Partie.

Das war nicht das einzige Problem, dass die erfolgsverwöhnten Männer vom Rio de la Plata mit zur Copa America in die USA brachten. Über weite Strecken ideenlos und auch ein wenig ausgepowert wirkten die Stars, die wie Diego Godin noch wenige Tage vor Turnierbeginn noch im Finale der Champions League standen. „Man muss jetzt die Dinge korrigieren und and die WM-Qualifikation denken“, sagte der Verteidiger von Atletico Madrid. „Es ist wichtig, dass wir jetzt an die WM denken.“

Venezuela freut sich dagegen in der Nach-Juan-Arango-Ära über einen ersten bemerkenswerten Erfolg. Salomón Rondón (36.) sorgte für den Siegtreffer und stürzte ein von Versorgungsengpässen und politischer Krise gebeuteltes Land in einen Freudentaumel. Die beiden Siege über Jamaika (1:0) und nun über Uruguay (1:0) bedeuten für das in der WM-Qualifikation abgeschlagene Venezuela eine erfreuliche Wende. Bemerkenswert: Zahlreiche Venezuelaner, die in den USA leben, nutzen die Spiele um auf die politische Situation in ihrem Heimatland hinzuweisen und fordern den Rücktritt des Präsidenten Nicolas Maduro sowie die Freilassung von politischen Gefangenen.

Pressestimmen:

El Observador (Montevideo): „Wusste Suarez nicht, dass er nicht im Kader stand?“

El Universal (Caracas):
„Eine Genialität von Alejandro Guerra bringt die Vinotinto ins Viertelfinale“

Uruguay – Venezuela 0:1 (0:1)

Uruguay: Fernando Muslera – Maximiliano Pereira, José María Giménez, Diego Godín, Gastón Silva – Carlos Sánchez (78. Nicolás Lodeiro), Egidio Arévalo Ríos, Alvaro González (80. Matías Corujo), Gastón Ramírez (73. Diego Rolan) – Edinson Cavani, Christian Stuani. Trainer: Oscar Tabárez.

Venezuela: Dani Hernández – Roberto Rosales (8. Alexander González), Wilker Angel, Oswaldo Vizcarrondo, Rolf Feltscher – Alejandro Guerra, Tomás Rincón, Arquímedes Figuera (78. Rómulo Otero), Adalberto Peñaranda – Josef Martínez, Salomón Rondón (77. Luis Manuel Seijas). Trainer: Rafael Dudamel.

Schiedsrichter:
Patricio Loustau (Argentinien)

Zuschauer:
23.000 im Lincoln Financial Field, Philadelphia

Tobias Käufer

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