Vidal, Douglas Costa und Di Santo: Vorhersehbare Integrationsprobleme

Drei spektakuläre Wechsel, drei mal das gleiche Problem: Pep Guardiola (Bayern München) und Andre Breitenreiter (Schalke 04) werden ihre neuen Stars aus Chile, Brasilien und Argentinien in der Hinserie nicht allzu oft zu Gesicht bekommen. Wenigstens im August werden der FC Bayern und Schalke 04 ein paar Wochen Zeit haben, ihre teuren Neuzugänge Arturo Vidal, Douglas Costa und Franco Si Santo ungestört integrieren zu können. Danach aber beginnt zumindest für das bayerische Duo eine dreimonatige Reise-Odyssee, die an ein konzentriertes Zusammenarbeiten kaum denken lässt.

Argentinische Fans fordern neue Gesichter

Bereits im September steht der erste FIFA-Doppelspieltag an. Argentinien erwartet am 8. September im US-amerikanischen Arlington Mexiko. Es ist davon auszugehen, dass Trainer Tata Martinenz dann verstärkt Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance gibt. Hinter den Superstars Lionel Messi, der ohnehin mit einer Pause im Dress der Albiceleste liebäugelt, Angel di Maria und Sergio Agüero warten Spieler aus der Kategorie Franco Di Santo. In Buenos Aires ist der Druck nach dem erneut verlorenen Finale bei der Copa America groß, endlich neue, jüngere Gesichter zu präsentieren.

Di Santo stand zwar im erweiterten WM-Kader der argentinischen Nationalmannschaft, doch zuletzt gelang ihm es nicht mehr, sich nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Das lag vor allem an der Armada der bislang gesetzten argentinischen Offensivstars: Messi, Di Maria, Lavezzi, Higuain, Agüero, Tevez. Doch allesamt werden sie in Russland 2018 über 30 Jahre sein.

Kadernominierung im September

Sein Wechsel zu Schalke 04 und die internationale Präsenz in der Europa League werden Di Santo aber helfen in Argentinien besser wahrgenommen zu werden. Schalke hat international eine andere Strahlkraft als Werder Bremen. Auch die Tatsache, dass die Bundesliga künftig beim in Argentinien besonders populären TV-Sender Fox Sports Sur zu sehen ist, wird Di Santo zumindest zurück in die Debatte bringen. Di Santo ist dann der einzige argentinische Botschafter in der Bundesliga, entsprechend wird seine TV-Präsenz bei Fox Sports sur sein. Die Kadernomminierung für den Test im September wird ein erster wichtiger Fingerzeig, ob Di Santo eine Chance hat, auf den WM-Zug aufzuspringen. Immer vorausgesetzt dem 26 Jahre alten Neuzugang gelingt auf Schalke ein guter Start mit Toren in Pokal und Bundesliga.

Chile erwartet seine Helden

Ähnlich ist die Ausgangslage in Brasilien, das am 8. September in den USA auf die Gastgeber um Trainer Jürgen Klinsmann trifft. Chile erwartet im heimischen Santiago am 5. September Paraguay, um die Helden der Copa America zu feiern. Während zumindest die Test-Spiele im September noch Gelegenheit zu einem Deal hinter den Kulissen bieten, um eventuell rechtzeitige „Verletzungen“ zu melden, beginnt spätestens im Oktober und November eine enorme Dreifachbelastung für die Neuzugänge.

Mehr als 30 Abwesenheitstage in drei Monaten

Für Vidal, Douglas Costa und vielleicht auch Di Santo beginnt dann die knüppelharte WM-Qualifikation mit Flügen quer durch alle Klima-, Zeit- und Höhenzonen. In den Monaten September, Oktober und November drohen dem Trio mehr als 30 „Abwesenheitstage“ bei ihren Arbeitgebern. Das Problem haben zwar alle in der Qualifikation engagierten Nationalspieler, doch der Chilene Marcelo Diaz (Hamburger SV), der Peruaner Carlos Zambrano (Eintracht Frankfurt) oder der Paraguayer Raul Bobadilla (FC Augsburg) sind in ihren Teams bereits integriert.

Doch gerade für Neuzugänge sind die Eliminatorias ein besonderes Problem, sollen sie doch in der ersten Saisonhälfte eingebaut werden, um nach der Winterpause in den Monaten in denen in Bundesliga, DFB-Pokal und den europäischen Klubwettberben die Entscheidungen fallen, alle Automatismen zu beherrschen. Und noch etwas erhöht die Dauerbelastung der Südamerikaner: Spiele in den Eliminatorias sind allesamt Spiele um „Alles oder Nichts“. Qualifikationsspiele wie in Europa gegen die Faröer Inseln, die auch mal mit der zweiten Garde gewonnen werden können, gibt es nicht. Douglas Costa Costa muss erst im Oktober gegen Südamerika-Meister Chile und dann im November gegen den Erzrivalen Argentinien ran. Ein Fehlstart könnte nicht nur für Trainer Dunga angesichts der nur 4,5 Startplätze verheerende Konsequenzen haben. Während sich die deutsche Mannschaft im November im Schongang gegen Georgien zur EM schießen kann, wartet auf Arturo Vidal das Hassduell gegen Uruguay. Das wird Substanz kosten.

Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht: Von Dezember 2015 bis Juni 2016 gibt es keine Spiele in den „Eliminatorias“. Dafür steigt im Sommer allerdings die Sonderausgabe der Copa America zum hundertsten Geburtstag des ältesten Nationenturniers der Welt und danach geht der Qualifikationsmarathon für die WM 2018 erst richtig los.

Der Fahrplan für die „Eliminatorias“ finden Sie hier:

Von Tobias Käufer für © Latin-Soccer.de

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