Warum Claudio Pizarro in Peru gehasst wird

Sie mögen ihn nicht in Peru: Claudio Pizarro, der erfolgreichste ausländische Bundesliga-Stürmer aller Zeiten, steht in seinem südamerikanischen Heimatland für ein Jahrzehnt voller Enttäuschungen, Skandale und Pleiten. Pizarro galt einmal als Hoffnungsträger einer ganzen Fußballgeneration. Zusammen mit Jefferson Farfan (Schalke 04), dem ehemaligen Bayern- und HSV-Profi Paolo Guerrero und dem langjährigen Italien-Legionär Juan Vargas bildete er „Die Fantastischen Vier“. Doch fantastisch waren nur seine Leistungen im Ausland.

Claudio Pizarro schaffte es nie zu einer Weltmeisterschaft. Das ist der Hauptgrund, warum sie ihn in Lima und Cusco die Sympathien entzogen haben. Er hat bei all den Vorschusslorbeeren nie geliefert, nie die ihn in gesetzten Hoffnungen erfüllt. Stattdessen machte er mit Skandalen auf sich aufmerksam. Bizarr die Geschichte mit Models im Teamhotel und einer völlig aus den Fugen geratenen Whirlpool-Party angeblich aufgenommen von der Hotelkamera. Immer wieder kam es rund um die Spiele der Nationalmannschaft zu Ausschweifungen. So stellte es zumindest die peruanische Presse da, Pizarro beteuerte seine Unschuld. Der Verband sah das anderes, sperrte ihn lange. Das Tischtuch war jahrelang zerschnitten. Vor allem weil die Affären rund um Partien stattfanden, in denen Peru sein Ansehen in der südamerikanischen Fußball-Welt verlor. Peru und Pizarro standen sich immer gegenseitig im Weg.

Auch Paolo Guerrero liefert sich seit Jahren ein Privatduell mit einer TV-Journalistin. Die hatte einmal behauptet, Guerrero habe die Nacht vor einem wichtigen Länderspiel mit einem Model verbracht, statt sich auf das Spiel zu konzentrieren. Der Fall ging vor Gericht, Guerrero konnte anhand einer Restaurant-Quittung beweisen, dass die Behauptungen falsch waren. Die Journalistin aber bestand auf ihrer Darstellung und wanderte sogar ins Gefängnis, als sie diese nicht zurücknahm. Natürlich begleitet von TV-Teams, es ging ja schließlich um die Pressefreiheit.

In diesem Klima voller Misstrauen und Enttäuschungen ist es schwer, eine gelungene Vorbereitung zu absolvieren. Jeder öffentliche Auftritt der peruanischen Kicker wird genau beäugt. Vor der Copa America forderte das einflussreiche Nachrichtenportal RPP harte Strafen für Pizarro, den Frankfurter Profi Carlos Zambrano und den Leipziger Yordy Reyna. Ihr Vergehen: Sie waren in einer Disco. Das Klima zwischen Medien und Stars gilt als vergiftet. Pizarro versucht die Stimmung zu beruhigen: „Jeder Peruaner steht bedingungslos hinter der Nationalmannschaft“, sagt er artig in die Mikrofone, wohlwissend dass das genau nicht der Fall ist.

Das Viertelfinalspiel zwischen Peru und Bolivien in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gilt als eine große Chance der Versöhnung. Peru überzeugt in Chile. Neu-Trainer Ricardo Gareca scheint es zu gelingen, das seit Jahren schlingernde Schiff zu stabilisieren. Der Argentinier, der optisch ein bisschen aussieht wie Cesar Louis Menotti, setzt nun zum großen Wurf an. Er wird sich Claudio Pizarro und sein Verhalten in Chile genau anschauen. Genauso wie mögliche Interessanten, die wissen wollen, ob Pizarro trotz seiner 36 Jahre noch mithalten kann. Angeblich erwägt er eine Rückkehr zu Alianza Lima, seinem Heimatklub. Ein wichtiges Tor gelang Pizarro beim Sieg über Venezuela. Ein kleiner Schritt zu einer Versöhnung, für die es eigentlich schon zu spät ist.

Von Tobias Käufer, Santiago de Chile, für latin-soccer.de

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