Arango, Alemania! Monchengladback!

Im wahrscheinlich letzten Spiel seiner Nationalmannschaftskarriere hat Juan Arango bei der Copa America in Chile noch einmal die großen des Weltfußballs geärgert: Rekordweltmeister Brasilien zitterte, doch am Ende sollte das Team von Carlos Dunga mit 2:1 gegen Venezuela den Gruppensieg eingefahren haben, Venezuela war draußen. Für den Ex-Borussen bedeutet das wahrscheinlich das Karriereende in der „Vinotinto“. Zweimal zauberte der Linksfuß gegen Brasiliens Keeper Jefferson gefährliche Freistöße in den Strafraum, der zweite führte zum 1:2-Anschlusstreffer durch Miku. Bereits beim 1:0-Sieg gegen den Erzrivalen Kolumbien hatte Arango bei geglänzt und die Vorarbeit zum Siegtreffer geleistet.

Der Abschied vom Spitzenfußball begann auf Raten. Borussen-Coach Lucien Favre entschied sich im Frühjahr 2014 nach fünf starken Jahren am Niederrhein gegen eine Weiterbeschäftigung des begnadeten Linksfußes. Der Borussia hat es nicht geschadet, Arango unterschrieb noch einmal einen Vertrag beim mexikanischen Klub Tijuana. Die Grenzmetropole gilt als eine der gefährlichsten Städte der Welt, ein mexikanischen Drogenkartell ist nach ihr benannt. Hollywood machte die Stadt zu einem Schauplatz des Drogenfilms „Traffic“ mit Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones.

Arango folgte damals César Farías, dem Nationaltrainer Venezuelas, mit dem er maßgeblich für den sportlichen Aufstieg der „Vinotinto“ im vergangenen Jahrzehnt verantwortlich war. Doch es lief nicht nach Wunsch, Farias musste inzwischen seinen Hut nehmen und ist nach Venezuela zurückgekehrt. Ihre Lebensleistung bleibt allerdings in dem krisengeschüttelten Land unvergessen. Aus der Baseball-Nation Venezuela ist nun auch eine Fußballnation geworden. Kein Schwergewicht wie Brasilien oder Argentinien, aber eine Mannschaft die den Status des Punktelieferanten verloren hat, die ernst genommen wird.

Arango ist mittlerweile 35 Jahre alt. In Kürze beginnt in Südamerika die knüppelharte WM-Qualifikation. Zwei Jahre, zehn Mannschaften, 18 Spieltage, tausende Kilometer, unterschiedliche Klimazonen und nur 4,5 Plätze. Fast hätte es für die WM in Brasilien gereicht, doch diesmal wird es noch schwerer. Denn es kommt auch der für die WM 2014 im eigenen Land automatisch qualifizierte Gastgeber noch oben drauf. Brasilien und Argentinien scheinen gesetzt, dahinter die neue Regionalmacht Kolumbien. Um die verbleibenden 1,5 Plätze streiten sich Traditionsnationen wie Uruguay, Chile, das widererstarkte Peru und eben Venezuela. „Ich weiß nicht ob ich noch weiter mache. Im Moment überwiegen die Gedanken an den Abschied“, so Arango, der weiß welche Reisestrapazen auf ihn zu kommen würden. Seine Rücktrittserklärung wird in Kürze erwartet. Venezuela will ihm einen gebührenden Abschied bereiten.

Arango wird als der größte Fußballer aller Zeiten in die Geschichte Venezuelas eingehen: Rekordspieler, Rekordtorschütze. Und als Türöffner für venezolanische Talente in Europa. Seine Fans nennen ihn in seiner venezolanischen Heimat auch „Arangol“ in Anlehnung an seine Torgefahr und manchmal auch „El Huracán del caribe“ (Der Hurrikan der Karibik“). Wer in Venezuela in ein Taxi steigt und sagt er kommt aus Deutschland, der bekommt immer die gleiche Antwort: Ah, Arango, Alemania! Monchengladback! Das wird für immer bleiben.

Von Tobias Käufer, Santiago de Chile, für latin-soccer.de

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