Cafeteros fehlen die Ideen, Peru solide

Gruppe C: Kolumbien – Peru 0:0

Nein, das war kein Galaauftritt des Turniermitfavoriten: Kolumbien enttäuschte beim 0:0 gegen Peru, erreicht aber trotzdem das Viertelfinale

James Rodriguez konnte es gar nicht oft genug wiederholen: „Wir haben einfach schlecht gespielt“, sagte der Mittelfeldstar von Real Madrid nach dem dürftigen Auftritt gegen Peru gleich mehrmals. Zu behäbig im Spielaufbau, zu mutlos in den Kombinationen. Im Hinterkopf stets die Hoffnung, dass Brasilien später Venezuela schlagen werde und das dann ein Remis schon reichen würde.

Dieser Tanz auf dem Drahtseil wäre beinahe schief gegangen. Einerseits, weil sich Peru auch die eine andere Torchance erspielte, andererseits fehlten dem Venezolaner Miku in der Nachspielzeit des Duells gegen Brasilien noch ein paar Zentimeter, und er hätte mit dem Kopf den nicht mehr für möglich gehaltenen 2:2-Ausgleich erzielt. Kolumbiens Mannschaftsbus hätte statt zum Hotel gleich zum Flughafen fahren können. So aber mogelt sich das Team von Trainer Jose Pekerman zu einem torlosen Remis, das dem argentinischen Coach nun ein Duell mit seinen Landsleuten im Viertelfinale beschert.

Niemand leidet unterdessen so schön Ricardo Gareca, einer von sechs argentinischen Trainern bei diesem Turnier. Der langmähnige Coach hat was von Menotti. Vor allem weil er so schön flucht, wenn seine Kicker im der Rückwärtsbewegung jegliche Absicherung vergessen. Peru hat mit ihm einen guten Fang gemacht. Es scheint, als gelänge es ihm, den Fußball Perus wieder etwas zu stabilisieren.

Pekerman hält derweil eisern an Falcao (Manchester United) fest. Der dankt es ihm mit großer Laufbereitschaft und Einsatz, aber das eine Tor, das er so dringend braucht, gelingt ihm einfach nicht. Pekerman weiß, dass sich diese Treue irgendwann auszahlen wird. Wenn nicht bei dieser Copa America, dann bei der kommenden knüppelharten WM-Qualifikation. Bislang stellt Pekerman seinen Kapitän nicht in Frage, das erledigen die Medien aus der Heimat schon ganz alleine. Pekermans einziger Fingerzeig: Er lässt Falcao nicht mehr durchspielen. Jackson Martinez wackelt mit Macht an dessen Fundament.

Bundesliga @ Copa America:

Bayern-Oldie Claudio Pizzaro war bemüht, zumindest ein wenig Gefahr auszustrahlen, aber es war – wieder einmal – nicht der Tag des erfolgreichsten ausländischen Bundesligastürmers aller Zeiten im peruanischen Trikot. Nach 55. Minuten kam für ihn der wiedergenese Jefferson Farfan (Schalke 04), für dessen Wiederherstellung sogar die Erlaubnis für den Einsatz eigentlich verbotener Medikamente eingeholt wurde, flüstern und posten peruanische Journalisten. Diese „Legalize it“ Aktion bewehrte sich, Farfan machte Druck über die Außenbahn. Nur das Meckergelb der Schlussphase hätte sich der Schalker sparen können.

Eine Schrecksekunde hatte der Frankfurter Carlos Zambrano zu überstehen. Nach einem Zusammenprall mit Chelseas Juan Cuadrado muss der Eintracht-Profi minutenlang behandelt werden. Die Pause rettet ihn vor eine Auswechselung. Yordy Reyna von RB Leipzig kam nicht zum Einsatz.

Weniger schön: Die ständigen Verletzungspausen von Ex-Bayern und HSV-Profi Paolo Guerreo. Irgendwann verliert der Zuschauer den Glauben und die Geduld, wenn alle fünf Minuten ein Spieler langsam dahin zu siechen scheint. Wenig überraschend: Guerrero überlebt auch diesmal wieder.


Kolumbien

4-2-3-1
Tor: Ospina
Abwehr: Amero (56. Ibarbo), Murillo, Zapata, Arias
Mittelfeld: Sanchez, Valencia (23. Mejia) – Gutierrez, James, Cuadrado
Angriff: Falcao (69. Martinez)
Trainer: Jose Pekerman

Peru
4-4-2
Tor: Gallese
Abwehr: Vargas, Ascues, Zambrano, Advíncula
Mittelfeld: Ballon, Lobaton, Cueva (89. Yotun), Sanchez (80. Hurtado)
Angriff: Guerreo, Pizzaro (55. Farfan)
Trainer: Ricardo Gareca

Stadion: Germán Becker, Temuco
Schiedsrichter: Néstor Pitana, Argentinien

Von Tobias Käufer, Santiago de Chile, für latin-soccer.de

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