Das peinliche Jammern der Europäer

Die Copa America ist ein Vorgeschmack auf die Winter-WM in Katar

Pablo Rodriguez aus Paraguay läuft sogar im Polideportivo Estadio Nacional, dem Pressezentrum der Copa America in Santiago, nur mit Handschuhen umher. Bitterkalt ist es für den Mann aus Zentralsüdamerika, der ansonsten nur warme Temperaturen gewohnt ist. Zu Beginn der Copa America in Chile hat eine Kaltfront Santiago heimgesucht. Die Temperaturen rücken dem Gefrierpunkt gefährlich nahe, trotz des Sonnenscheins in der chilenischen Hauptstadt. Der Winter kommt.

Für Marcelo Lopez, einen chilenischen Journalisten, ist das alles der Normalzustand. Die großen Turniere wie die Weltmeisterschaften oder die Copa America finden immer statt, wenn auf der Südhalbkugel Winter ist. Der Begeisterung beim Public Viewing in Santiago oder Buenos Aires tut das keinen Abbruch. „Eine Fußball-WM im Sommer. Draußen im Biergarten an einem lauen Sommerabend kennen wir gar nicht.“

Mit Wollmütze und Schal geht alles

Pressezentrum Copa America: Mit Wollmütze und Schal geht alles

Als er von den Protesten aus Deutschland hört, weil die WM 2022 in Quatar im deutschen Winter stattfinden soll, kann Lopez nur lachen. „Dann ergeht es Euch endlich mal wie uns.“ Das Gejammere in Nordeuropa ist egoistisch, sagt Lopez. Seit Beginn der Weltmeisterschaft profitieren die europäischen Länder von einer Sommer-WM. Alles sei auf europäische Wünsche zugeschnitten, nun seien eben mal die anderen Regionen der Welt an der Reihe. Länder auf der Südhalbkugel wie Südafrika, Chile oder Argentinien – sie alle sind eiskalte Temperaturen beim Zuschauen während eines großen Turniers gewohnt. Und es geht trotzdem. Warum sollen nicht auch einmal die Südländer in den Genuß einer Sommer-WM kommen und die Nordländer frieren? Eine WM auf dem Weihnachtsmarkt hat auch ihren Reiz.

In Chile erhalten alle Journalisten vom Veranstalter eine blaue Wintermütze. Sie soll in den nächsten Tagen helfen die kühle Frische zu ertragen, wenn die Temperatur noch weiter Richtung Gefrierpunkt fällt. Irgendwie passt es dann auch zu den schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Die wenigen europäischen Journalisten, die vor Ort sind, sind jedenfalls überzeugt: Ein Turnier kann auch im Winter sportlich begeistern. Oder wie ein altes Sprichwort sagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.

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Von Tobias Käufer, Santiago de Chile, für latin-soccer.de

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